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Mittelbayerische Zeitung: Bundesliga verliert an Strahlkraft

Symbolbild
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Sie zieht es zu PSG in die französische, zu Juve in die italienische, zu Barca oder Real in die spanische Liga oder vor allem auf die Insel. In den beiden Endspielen der Champions League und Europa League werden sich bald vier englische Klubs messen. Das ist ein Novum in der Geschichte des europäischen Fußballs und ein imposanter Beleg dafür, dass Finanzstärke auf Dauer auch ein entscheidendes Kriterium für sportlichen Erfolg ist.


Wo das meiste Geld lockt, spielen schlichtweg auch die besten Kicker und dort arbeiten auch die Trainer mit dem größten Sachverstand. In Sachen Attraktivität hinkt die Bundesliga meilenweit hinterher. Die Musik spielt auf der Insel. Ausstaffiert mit üppigen TV-Geldern und finanzstarken Investoren locken die Klubs der Premier League die namhaften Ballzauberer an. Die Bundesliga, in der zumindest heuer mit dem BVB mal ein Klub daran schnuppert, die Münchner Dominanz zu beenden, ruft bei vielen Stars nur ein müdes Gähnen hervor.


Mit Manchester City, Liverpool, Chelsea, Tottenham, Arsenal und Manchester United tummelt sich in der Premier League gleich ein Sextett mit Ambitionen auf nationaler und europäischer Bühne. Während sich die Bundesliga mit Blick immer mehr zu einem Zulieferbetrieb entwickelt, droht sich die Dominanz der Klubs aus der Premier League zu manifestieren in den nächsten Jahren.


Investoren im großen Stil zuzulassen, wäre sicherlich der einfachste Weg, um frisches Kapital in die Liga zu holen und den finanziellen Abstand zu den Engländern zu verringern. Das Kippen der 50+1-Regel ist aber sicher nicht das beste Instrument, um gegenzusteuern. Denn die Bundesliga lebt vor allem auch von ihrer einzigartigen Fankultur. Wer will hierzulande digitale Fanbanner sehen, wie beim Scheich-Klub Manchester City? Bis auf den deutschen Finanzkrösus FC Bayern kann kein deutscher Klub einsteigen in das Buhlen um Topstars wie Antoine Griezmann.


Was tun, um die Kluft nicht noch größer werden zu lassen? Um die astronomischen Geldströme einzudämmen, wäre eine "salary cap" ein probates Mittel. Einer Gehaltsobergrenze, also einem Maximalbetrag, den eine Mannschaft pro Saison für Spielergehälter ausgeben darf, nach dem Vorbild der nordamerikanischen Profiligen NBA, NHL und NFL, steht aber europäisches Recht im Wege. Angewandt in allen europäischen Ligen würde das aber sowohl in den nationalen Wettbewerben wie auch auf europäischer Ebene für deutlich mehr Chancengleichheit und Spannung sorgen.


Es gäbe aber bereits ein Instrument im Kampf um mehr Finanzgerechtigkeit. Das geistert aber bis dato weitgehend nur als Papiertiger herum. Verstöße gegen die Financial-Fair-Play-Regeln bedürfen rigoroser Sanktionen. Beim hehren Ziel, dass Vereine nur noch so viel ausgeben, wie sie einnehmen sollen, gilt es, nicht weiter Tricksereien wie von Manchester City zu dulden. Darüber hinaus gilt es für die Bundesligisten aber auch, sich den eigenen Hausaufgaben zu widmen, um neue Geldquellen zu erschließen. Beispielsweise der lange vernachlässigten Auslandsvermarktung. Um auch außerhalb von Deutschland beachtet zu werden, braucht es neben einer spannenden Meisterschaft aber wiederum auch weltweit bekannte Gesichter. Womit wir wieder bei den Stars und dem lieben Geld wären. Ein Teufelskreis!


ots