Anzeige

90 Minuten Völkerverständigung - Fußball ist mehr als nur ein Spiel

Kaum ein anderer Sport überwindet die Grenzen zwischen Ländern und Kulturen so wie der Fußball, der inzwischen überall auf der Welt eine Heimat hat. Sobald der Anpfiff ertönt, rücken Menschen näher zusammen, scheinen Konflikte, Ressentiments und Gewalt für 90 Minuten zum Stillstand zu kommen. Alles, was zählt, ist die Magie des Augenblicks und ein spannendes, faires Spiel.


"Die Welt zu Gast bei Freunden“ – so lautete auch das Motto der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, die immer wieder als Paradebeispiel für ein friedliches Miteinander fußballbegeisterter Fans zitiert wird. Das Großevent wurde zu einem modernen Symbol der Völkerverständigung. Viel Sonnenschein, packende Spielpartien und eine heitere, ausgelassene Stimmung ließen die Gegensätze der gegnerischen Lager verblassen. Ob beim gemeinsamen Public Viewing oder fröhlichen Umtrunk in deutschen Biergärten, die Fans sämtlicher Mannschaften schunkelten im gemeinsamen Takt. Nicht umsonst ist diese WM als Deutschlands Sommermärchen in die Geschichte des Fußballs eingegangen. Das gefeierte Großereignis bewies, dass der Fußball eine ganz besondere Kraft besitzt: Er verbindet Menschen unterschiedlichster Herkunft.


Doch er bewirkt noch viel mehr. Selbst politische Konflikte scheinen für eine Zeit ausgeblendet, wenn der Ball über das Feld rollt. 1998 hielt die Welt den Atem an, als sich bei der Weltmeisterschaft in Frankreich die beiden Erzrivalen Iran und die USA auf dem Feld in Lyon gegenüberstanden. Die Spannung im Stadium war zum Zerreißen gespannt. Seit Jahrzehnten waren die Beziehungen zwischen den Ländern nachhaltig gestört. Einst Bündnispartner im Kalten Krieg verhärteten sich seit der Geiselnahme von 52 amerikanischen Botschaftsmitgliedern im Iran im Jahr 1979 die Fronten zunehmend. Seit 1980 unterhielten beide Länder keine diplomatischen Beziehungen mehr. Auf die zunehmende Unterstützung terroristischer Vereinigungen und das nukleare Aufrüstungsprogramm des Irans reagierte die USA mit scharfen Sanktionen. Immer wieder drohte die Lage zu eskalieren. Die Gefahr war groß, dass sich der Konflikt auf das Spielfeld übertragen würde. Dass sich beide Länder ausgerechnet auf dem Fußballfeld zumindest zeitweise aussöhnen würden, damit rechnete niemand. Doch genauso kam es. Beide Teams posierten nicht nur für ein gemeinsames Foto, sondern lieferten sich bis zuletzt ein faires Spiel, aus dem der Iran mit einer 2:1-Torbilanz als Sieger hervorging


Fußball verbindet nicht nur ganze Nationen, sondern kann auch einen wichtigen Beitrag zur Integration und gegenseitigen Toleranz leisten. Flüchtlinge und Migranten aus Krisengebieten bietet er eine Chance aus der drohenden sozialen Isolation, denn die Sprache des Fußballs wird auf der ganzen Welt verstanden. Verschiedene Sportvereine bemühen sich deutschlandweit um die Aufnahme geflüchteter Menschen. Kostenlose Trainingsangebote in Kombination mit Spendenaktionen sorgen für eine positive Willkommenskultur. Nicht nur den Flüchtlingen wird eine wertvolle Unterstützung zuteil, auch die Vereine profitieren vom Neuzuwachs. Fußball ist also weit mehr als nur ein populäres Ballspiel. Er ist ein globales Bindemittel im Großen wie im Kleinen, im gesellschaftlichen wie politischen Kontext.