Die Defensive gewinnt Turniere: Ist die deutsche Abwehrreihe gut genug für den Titel in Katar?

Katar WM
Weltmeisterschaft 2022 | Bild: rarrarorro / Shutterstock.com

Die Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Jahr gilt als große Wundertüte. So liegt die Winter-WM 2022 mitten in der Saison und bildet ein kräftezehrendes Highlight ohne viel Vorbereitung für alle teilnehmenden Spieler. Die deutsche Mannschaft steht sich dabei vor allem vor der Frage, ob die eigene Abwehr den besten Nationalmannschaften der Welt gewachsen ist. Bundestrainer Hansi Flick steht vor einer großen Herausforderung.


Aufgrund des ungewöhnlichen Zeitpunkts sowie der fehlenden Vorbereitung stellt sich die Favoriten-Frage bei der WM 2022 als besonders unklar heraus. So ist schwer einzuschätzen, welche Nationalmannschaft mit den ungewöhnlichen Umständen am besten umgehen kann. Nicht nur für alle Fußballfans, sondern auch für die weltweit beliebten Sportwetten stellt sich die Weltmeisterschaft 2022 daher als besonders interessant dar.

Wer Interesse an der WM 2022 Wetten hat, darf sich freuen: Aktuell locken Buchmacher mit lukrativen Quoten und Bonusangeboten. Einen klaren Favoriten gibt es nicht. Damit Deutschland ins Titelrennen eingreifen kann, müssen die Abwehrprobleme aus der Vergangenheit unbedingt gelöst werden.

Ein Blick auf die nominierte Abwehr der DFB-Elf: Überraschung in der Innenverteidigung!

Nationaltrainer Hansi Flick setzt bei der WM 2022 wohl auf sein bewährtes Lieblingssystem mit einer Viererkette in der Abwehr. Dabei positioniert er die beiden Außenverteidiger gerne asymmetrisch. Dementsprechend ist der rechte Außenbahnspieler defensiver ausgerichtet als der Spieler auf der linken Außenbahn – oder umgekehrt. Trotzdem setzen sich die alten Problemzonen bisher fort.

Nominiert haben die DFB-Verantwortlichen um Trainer Flick vor allem die Spieler, die vorher bereits als sichere WM-Kandidaten galten – mit einer Ausnahme. Nicht dabei ist Mats Hummels. Die Nicht-Nominierung des Innenverteidigers von Borussia Dortmund gilt als die größte Überraschung bei der Kadernominierung der DFB-Elf.


Individuell gesehen hatte Hummels bisher eine starke Saison gespielt und hätte sich der Meinung vieler Experten nach, eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Katar rein sportlich durchaus verdient. Außerdem gilt der 33-jährige Hummels dank seiner Erfahrung als wichtiger Führungsspieler, der eine Abwehrreihe mit seiner Klasse leiten kann. Nationaltrainer Hansi Flick verzichtete trotzdem auf die Dienste von Mats Hummels.

Dafür nominierte er andere Spieler. Ein wesentlicher Grund sei dabei der Blick in die Zukunft gewesen. Gesetzt seien wird in jedem Fall Antonio Rüdiger. Der Innenverteidiger vom spanischen Spitzenclub Real Madrid wird als Abwehrchef ins Turnier gehen. Außerdem wurden mit Niklas Süle und Nico Schlotterbeck gleich zwei Innenverteidiger von Borussia Dortmund nominiert.


Die Außenpositionen in der deutschen Nationalmannschaft nehmen Thilo Kehrer von West Ham United, David Raum von RB Leipzig und Christian Günter vom SC Freiburg ein. Als Ersatz wurden Lukas Klostermann von RB Leipzig, Matthias Ginter vom FC Freiburg und Armel Bella-Kotchap vom FC Southampton nominiert. Der erst 20-jährige Bella-Kotchap gilt als direkter Ersatz für Hummels und soll erste Erfahrungen bei einem großen Turnier im DFB-Dress sammeln. Bisher kommt der ehemalige Bochumer auf zwei Länderspiele.

Problemzone Innenverteidiger: eine alte Baustelle der DFB-Elf

Die Abwehrreihe der DFB-Elf zeigte sich im Fußballjahr 2022 bisher wenig weltmeisterlich. Nur ein einziges Mal blieb der Kasten von Torhüter Manuel Neuer im Jahr 2022 sauber. In sieben Spielen in Folge wurde mindestens ein Gegentor kassiert. Gegen die englische Nationalmannschaft hagelte es sogar gleich drei Treffer. So steht die deutsche Mannschaft vor einer ernüchternden Bilanz von zehn Gegentreffern in acht Partien. Die DFB-Abwehr wackelt noch immer bedrohlich.


Besserung ist dabei nicht in Sicht. Allein Antonio Rüdiger gilt als Verteidiger mit Prädikat Weltklasse. Durch seine Leistungen bei Chelsea London spielte er sich in den Fokus des Weltvereins Real Madrid. Hier hat Rüdiger allerdings mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Aus der Not gedrungen wird der ehemalige Stuttgarter trotzdem Stammspieler und Abwehrchef der DFB-Elf sein. Neben Rüdiger würde auch der ehemalige Innenverteidiger vom FC Bayern München, Niklas Süle, sich gerne als Weltklasse-Verteidiger bezeichnen. Allerdings gelang der Nachweis in der Praxis in dieser Saison ziemlich selten. Darüber hinaus wird der Ex-Bayer bei seinem neuen Klub Borussia Dortmund vermehrt als Aushilfs-Rechtsverteidiger eingesetzt. Hier zeigte er auch seine besten Saisonleistungen.


Im Vergleich zu Teamkollege Nico Schlotterbeck gilt Niklas Süle trotz eigener Probleme als stabilere Lösung. Der ehemalige Freiburger Schlotterbeck zahlte nach seinem Wechsel nach Dortmund ordentlich Lehrgeld. Immer wieder bescheinigten ihm Experten ein desolates Abwehrverhalten in den Spielen der deutschen Fußball-Bundesliga. Auch in der DFB-Elf machte Schlotterbeck bisher selten eine gute Figur. Unter anderem verursachte der 22-Jährige gleich zwei Elfmeter in drei Länderspielen.


Trotz der Probleme des Innenverteidiger-Duos von Borussia Dortmund dürften die restlichen Innenverteidiger im Kader der DFB-Elf in der Hierarchie noch weiter unten stehen. So muss Nationaltrainer Hansi Flick auf einen deutlichen Formanstieg der Spieler bei der WM hoffen. Sonst könnten Fehlpässe, große Lücken und schwerfällige Rückwärtsbewegungen weiterhin für eine wackelige Abwehr sorgen.

Die deutsche Außenbahn: ein gefährliches Sorgenkind der DFB-Elf!

Deutlich wird, dass die Innenverteidigung bereits vor großen Problemen steht. Trotzdem bleibt die Außenverteidiger-Position die größte Problemzone der deutschen Nationalmannschaft. Keiner der nominierten Spieler überzeugte in den diesjährigen Länderspielen der DFB-Auswahl. Weder der Leipziger David Raum, noch Thilo Kehrer von West Ham United oder der lange verletzte Lukas Klostermann. Alle haben in ihren Vereinen zum Teil größere Formkrisen durchlebt.


Einzig der Freiburger Christian Günter zeigte in seinem Verein konstant gute Leistungen. Er gilt als größter Konkurrent von David Raum auf der linken Außenbahn. Klar ist: Zur internationalen Klasse fehlt beiden viel. Trotzdem wurden die Bundesliga-Spieler dem international erfahreneren Robin Gosens vorgezogen. Mittlerweile spielt Gosens beim italienischen Top-Klub Inter Mailand. Bei der vergangenen Europameisterschaft war Gosens noch gesetzt und zeigte zumindest teilweise seine Klasse. Nationaltrainer Flick verzichtete auf die EM-erprobte Variante und nominierte zwei international unerfahrene Linksverteidiger aus der Bundesliga.


Ähnlich sieht es auf der rechten Abwehrseite aus. Der lange verletzte Leipziger Lukas Klostermann kann keinerlei Spielpraxis in der jüngeren Vergangenheit vorweisen. Thilo Kehrer spielt in seinem Verein bevorzugt Innenverteidiger. Auch Joshua Kimmich und Niklas Süle könnten hier auflaufen. Beide werden allerdings auf anderen Positionen gebraucht. So wird so gut wie jede Position in der Viererkette der DFB-Elf eine Kompromisslösung darstellen.

Fazit: Trotz großer Baustellen bleibt die Hoffnung auf den Titel!

Die Hoffnung bleibt. Die deutsche Nationalmannschaft konnte immer wieder beweisen, dass sie eine echte Turniermannschaft sein kann. Dementsprechend darf auf einen kräftigen Leistungsschub bei allen Akteuren gehofft werden. Der wäre auch nötig, um wirklich eine Chance auf den Titel zu haben. Denn rein von der spielerischen Qualität stellt sich die deutsche Abwehr bisher als wenig weltmeisterlich dar.