Herthas neues Stadion wird wahrscheinlicher

Hertha-BSC
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Bereits im Frühjahr 2017 kündigte die Geschäftsführung von Hertha BSC an, ein neues Fußballstadion für den Verein errichten zu wollen. Als idealer Eröffnungszeitpunkt erschien damals der 25. Juli 2025. In diesem Jahr feiert Hertha BSC den 133. Geburtstag. Gemäß dem vorgegebenen Motto „Steil. Nah. Laut“ sollt das neue Stadion die Atmosphäre deutlich verbessern.

Die Anzeichen für einen Meinungsumschwung mehren sich

Immerhin erscheint das bestehende Olympiastadion in Berlin für die Zwecke des Vereins nicht mehr geeignet. Ausgestattet mit einer Laufbahn leidet das Stadion unter der Entfernung, in der sich die Fans zum Spielfeld befinden. Die Überdimensionierung der Spielstätte sorgte schon seit langem dafür, dass sich viele Fans hier nicht mehr zu Hause fühlen. All diese Kritikpunkte sollten mit dem Neubau der Vergangenheit angehören.


Daraufhin begann man bei Hertha BSC die Pläne den Fans vorzustellen und diese um ihren Input zu bitten. Diese kamen der Aufforderung in Massen nach, um bei der Gestaltung der neuen Fußball-Heimat mitzuarbeiten. Doch bisher scheiterte das Projekt an der öffentlichen Unterstützung. Jahrelang schien der Neubau außer Reichweite zu sein, doch in letzter Zeit mehren sich die Anzeichen, dass es zu einem Meinungsumschwung kommen könnte.

Union Berlin setzt dem Verein zu

Hertha BSC hat in den letzten Jahren verstärkt Konkurrenz in der eigenen Stadt bekommen. Als Union Berlin vor einigen Jahren überraschend in die höchst deutsche Spielklasse aufstieg, ging niemand davon aus, dass sich der Verein lange in der Deutschen Fußball-Bundesliga halten können würde. Doch der Klub aus Berlin-Köpenick strafte alle Experten Lügen.


Damit nicht genug, schwang sich Union Berlin zu einem erbitterten Stadtrivalen auf, der sich am Saisonende sogar besser platzieren konnte als der Platzhirsch. Nach der enttäuschenden letzten Saison, die für Hertha BSC auf Platz 14 der Tabelle endete, entschloss man sich zu einem radikalen Neubeginn. Der erfolgreiche Manager von Eintracht Frankfurt, Fredi Bobic, wechselte nach Berlin. Das brachte zwar bisher in fußballerischer Hinsicht noch nicht den gewünschten Erfolg, doch die Bemühungen um den Stadion-Neubau haben neuen Schwung erhalten.

Motivationsfaktor Stadion-Neubau

Schließlich verleiht der Umzug in ein neues Stadion jedem Fußballverein neuen Schwung. Das hat die Vergangenheit bereits mehrfach bewiesen. Die öffentliche Aufmerksamkeit ist garantiert, die Fan-Bindung wird verstärkt. Das macht sich in Folge zumeist auch am Platz bemerkbar. Diesen Schritt nach vorne honorieren auch die Buchmacher. Ihre zahlreichen Fußball Wetten und die damit einhergehende intensive Berichterstattung rücken das Scheinwerferlicht verstärkt auf die betreffenden Klubs. Das kommt allen Beteiligten zugute.


In Deutschland gab es immer wieder spektakuläre Neubauten, die den weiteren Aufstieg des Klubs einläuteten. Bestes Beispiel dafür ist sicherlich der FC Bayern München. Die Allianz-Arena ist mittlerweile abbezahlt und der Klub von Trainer Jürgen Nagelsmann so populär und erfolgreich wie selten zuvor. Wie wichtig das perfekte Stadion für einen Fußballverein sein kann, beweist seit Jahrzehnten die Anfield Road in Liverpool. Dort hat Trainer Jürgen Klopp gerade erst die Bewilligung für eine Erweiterung um 7.000 Sitzplätze bekommen. Das wird die gefürchtete Heimstätte des FC Liverpool in Zukunft noch eindrucksvoller gestalten.

Die Beteiligten reden wieder miteinander

Zuletzt schien die Diskussion rund um ein neues Stadion für Hertha BSC bereits gescheitert zu sein. Doch eine kluge Politik im Hintergrund sorgte dafür, dass die Planung nun wieder in Schwung gekommen ist. Das stellte zuletzt eine Podiumsdiskussion der Initiative „Blau-Weißes Stadion“ mit Vertretern der Berliner Politik unter Beweis.


Gab es lange Zeit eine grundsätzliche Ablehnung der Berliner Parteien, so scheint dieser nun zu bröckeln. Die Gegenwehr resultierte aus dem Plan, das bestehende Olympiastadion weiter zu betreiben, doch mittlerweile haben politische Vertreter eingesehen, dass Hertha BSC das Recht hat, den Bau eines eigenen Stadions anzustreben.


Bei der öffentlichen Diskussion gaben einige Vertreter der Stadt zu, dass die Diskussion in den letzten Jahren nicht optimal verlaufen sei. Sie versprachen das Projekt zukünftig zu unterstützen und äußerten Verständnis für den Unmut der Hertha-BSC-Fans. Diese hatten nicht zu Unrecht den Eindruck, dass der Neubau eines Stadions auf die lange Bank geschoben worden war.

Die Faninitiative „Blau-weißes Stadion“ erreichte den Neustart

Alle Beteiligten nahmen sich vor zukünftig miteinander, statt übereinander zu reden. Dies soll die Grundlage für die Erarbeitung des Projektes werden. Dass die beteiligten Personen und Institutionen jetzt wieder miteinander sprechen, ist auch ein Verdienst der Fans. Der Initiative „Blau-weißes Stadion“ ist es gelungen den Dialog wieder neu zu starten. In den letzten Monaten gab es immerhin sechs vertrauliche Runde Tische, in denen alle Details zum neuen Stadion von Hertha BSC diskutiert wurden.


Eine Umfrage der Fans unter den im Abgeordnetenhaus vertretenden Parteien zeigte bereits vor der letzten Berliner Wahl, dass es keine grundsätzliche Ablehnung der Pläne mehr gibt. Offen scheint lediglich die Standortfrage zu sein. Hertha BSC würde gerne auf dem Gelände des Olympiaparks bleiben und schlägt einen Neubau an der Rominter Allee vor. Alternativ könnte man sich auch einen Standort beim Maifeld vorstellen.


Beide Standorte werfen allerdings noch einige Probleme auf, die die Politik jedoch für lösbar hält. Nun gilt es, die Absichtserklärungen in konkrete Handlungen zu übersetzen. Wenn es gelingt, weiterhin so konstruktiv miteinander zu reden, dann rückt eine befriedigende Lösung für Hertha BSC näher. Das wird vor allem die Fans des Vereins freuen, die bereits seit Jahren an der Umsetzung einer neuen Heimstätte für ihren Klub arbeiten.