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Fußballspieler und ihre Tattoos

Sexy Tattoo
Symbolbild - Tverdokhlib/Bigstock.com

Die Zeiten haben sich gewandelt und die Akzeptanz von Tattoos in der Gesellschaft ist auf ein Maß gestiegen, das nicht mal mehr das Hochziehen einer Augenbraue rechtfertigt. Manchmal fragt man sich sogar, ob man als untätowierter Mensch nicht eher ein Sonderling ist. Natürlich macht diese Modeerscheinung auch nicht vor Profifußballern halt. Als Vorreiter dieser Bewegung gilt übrigens David Beckham.


Belastbare Zahlen sind schwer zu finden, aber verschiedene Erhebungen namhafter Universitäten schätzen den Anteil tätowierter Menschen unter 30 Jahren auf mehr als ein Drittel. Bei Profifußballern liegt der Wert wahrscheinlich noch etwas höher.

Welche Gründe dafür gibt es das Fußballspieler sich ein Tattoo stechen lassen?

Zum einen stehen Profifußballer im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Wenn sich der Bäckerlehrling von nebenan ein Tattoo stechen lässt, dürfte dies außer in seinem Bekanntenkreis keine großen Wellen schlagen. Ein Profifußballer, dem Millionen Menschen bei der Arbeit zusehen, findet ein Massenpublikum vor, dem er seine Tätowierungen präsentieren kann. Dies ist zweifellos ein Anreiz dafür, seine Individualität auf diese Art auszudrücken.


Zum anderen muss man sich vergegenwärtigen, dass das Leben eines Profifußballers in hohem Maße als fremdbestimmt gelten muss. Und zwar nicht erst seit Beginn der Profilaufbahn, sondern bereits lange davor. In Leistungszentren, Jugendakademien oder Fußballinternaten wurden die Voraussetzungen für eine Profikarriere überhaupt erst geschaffen. Bereits dort waren die Restriktionen hoch. Ein sportlergerechtes Leben ist mit viel Verzicht verbunden. Der Verein schreibt Trainingszeiten und Ernährung vor, die Sponsoren bestimmen, welches Auto man zu fahren hat und welche Klamotten man tragen kann und der Berater bestimmt Verein, Verträge und Karriereplanung. Ist es da nicht verlockend, sich zumindest über den Körperschmuck so auszudrücken wie man es selbst gerne hätte? Wenn einem schon nicht mal der eigenen Körper gehört, dann zumindest die eigene Haut.


Letztlich gelten Tattoos natürlich auch als Statussymbol. Mein Haus, mein Auto, mein Tattoo. Besonders großflächige Tattoos am ganzen Körper sind teuer, erst recht, wenn sie von prominenten Tätowierern gestochen werden. Profifußballer haben Geld und wollen das zeigen. Auffällig ist, dass viele Fußballer keine kleinen unauffälligen Motive auf dem Oberarm haben, sondern oft beide Waden und Unterarme verziert sind. Alles also immer gut sichtbar und ständig präsent. Nicht selten wird auch eine gelbe Karte dafür in Kauf genommen, wenn man dafür nur seine den ganzen Rücken bedeckende Tätowierung beim Torjubel zur Schau stellen darf.

Exemplarische Vorstellung einiger Fußballer und ihrer Tattoos:

- Jeromé Boateng: Die vielen Tattoos des Spielers vom FC Bayern München lassen sich in verschiedenen Kategorien gliedern. Auf seinem Rücken findet man die 21 Namen seines Familienstammbaums. Auf der Innenseite seines Oberarms sind die Namen seiner beiden Kinder verewigt, Soley und Lamia, seine beiden Zwillingstöchter. Auch Fußabdrücke und Geburtsdatum der beiden sind auf seiner Haut zu finden. Auf dem linken Oberarm erinnern die Umrisses des Landes Ghana an seine Wurzeln. Auf seinem Unterarm spiegeln die beiden Worte "Believe" und "Trust" neben seinem zweiten Vornamen "Agyenim" seine Einstellung wider. Zu guter Letzt stellt der Pokal der Weltmeisterschaft 2014 mit dem Schriftzug "Maracana" eine Reminiszenz an den gewonnenen Weltmeistertitel in Brasilien dar.


- Neymar: Unter den mehr als 30 Tattoos des brasilianischen Superstars von Paris St. Germain ragt besonders eine Verzierung hervor. Eine Darstellung der beiden Superhelden Batman und Spiderman in Action bedeckt fast den ganzen Rücken.


- Leroy Sané: Was sich der deutsche Nationalspieler in Diensten des englischen Spitzenclubs Manchester City auf seinen Rücken tätowieren ließ, testet die Grenzen des guten Geschmacks auf nicht unerhebliche Art und Weise aus. Den Rücken von Leroy Sané ziert tatsächlich ein Porträt von - Leroy Sané. Wie man so eine Selbstdarstellung finden mag, sei jedem selbst überlassen. Von Selbstbewusstsein bis Selbstverliebtheit ist eine große Bandbreite an Einschätzungen möglich.


- Lionel Messi: Familie und Religion spielen beim argentinischen Superstar vom FC Barcelona die Hauptrolle bei der Auswahl seiner Motive. Auf seinem Oberarm sind der Rosenkranz, der die Silhouette seiner Geburtsstadt Rosario nachempfindet, und ein Porträt von Jesus Christus verewigt. Außerdem trägt er an seinem Ellenbogen das Motiv der Sagrada Familia als Hommage an die Stadt Barcelona, in der er als Fußballer zum Star gereift ist. Der Name seiner Frau mit Hochzeitsdatum und Ringen, die Namen seiner Kinder und ein Porträt seiner Mutter auf dem linken Schulterblatt runden das Kunstwerk Messi ab. Besonders auffällig ist sein linker Unterschenkel, der unterhalb des Knies bis auf seine Rückennummer 10, den Namen seines Sohnes Thiago und einem Fußball komplett schwarz gefärbt ist.

Kritik aus medizinischer Sicht:

Unabhängig von Geschmacksfragen gibt es Stimmen, die übermäßige Tätowierungen bei Leistungssportlern problematisch finden. Universitätsprofessor Dr. Ingo Froboese, Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung der Deutschen Sporthochschule Köln, fand in seinen Forschungen heraus, dass großflächige Tätowierungen zu Leistungseinbußen von 3-5 % führen können. Seinen Angaben zufolge wandern große Teile der Tinte in andere Körperregionen, wo sie innere Organe belastet. Zudem hätten die Sportler Einschränkungen in der Thermoregulation des Körpers und einer Schwächung des Immunsystems zu leiden.



Einer der größten Fußballer unserer Zeit ist übrigens nicht tätowiert. Der mehrfache Weltfußballer des Jahres Cristiano Ronaldo von Juventus Turin verzichtet auf diese Art von Körperschmuck, und zwar aus einem sehr ehrbaren Beweggrund. Als regelmäßiger Blutspender wäre er gezwungen, nach dem Stechen eines Tattoos für mindestens vier Monate damit auszusetzen.